Kulturpartner-Tour 2 - Videotagebuch

Ein barockes Schloss, eine marode Zeche und ein dunkles Grab

WDR 3 feiert in diesem Jahr zehn Jahre Partnerschaft mit den großen Kultureinrichtungen aus NRW. Aus diesem Anlass hat das Kulturradio seine Hörerinnen und Hörer zu fünf verschiedenen Ausflügen eingeladen. Gemeinsames Ziel der Touren war die Zeche Zollverein in Essen. Dort tauschten sich die Teilnehmer bei einem gemeinsamen Fest über die faszinierenden Facetten Nordrhein-Westfalens aus.
WDR 3 Autor Tobias Zihn hat mit einer Videokamera die Tour von Bonn über Köln nach Essen begleitet – und präsentiert Eindrücke eines besonderen Tages.

So tief im Innern des Kölner Domes muss ich auf meinen Kopf aufpassen. Die Gänge sind schmal, die Decken hängen tief und ich könnte mich am rauen Stein stoßen. „Dieser Bereich des Domes ist für die Öffentlichkeit nicht freigegeben. Sie sind die ersten Gäste hier unten“, sagt Barbara Schock-Werner. Sicher lotst die Dombaumeisterin die WDR 3 Hörerinnen und Hörer durch die Katakomben des Doms und kurze Zeit später stehen wir am Grab von Clemens August I von Bayern. Der Wittelsbacher war von 1723 bis 1761 Erzbischof in Köln.

 

 

„Wir haben seine Gebeine bei Ausgrabungen gefunden“, erzählt Schock-Werner schon beim Mittagessen auf der Dachterrasse des WDR-Funkhauses am Kölner Wallraffplatz. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die zwei Türme des Doms. So habe ich das Kölner Wahrzeichen noch nie gesehen und es soll für mich und die 50 Teilnehmer des Ausfluges bei der WDR 3 Kulturpartner-Tour von Bonn nach Essen zur Zeche Zollverein nicht der einzige neue Eindruck des Tages bleiben.

Das nächste Mal komme ich aus dem Staunen nicht heraus, als uns die Dombaumeisterin in einen tiefen Schacht blicken lässt: 16 Meter tief geht das Fundament des Gotteshauses in die Tiefe – bis zur Kiesschicht des Rheins. Der Kölner Dom ist wirklich für die Ewigkeit gebaut. Schock-Werner liebt ihren Arbeitsplatz und kann ihn voller Leben den WDR 3 Hörerinnen und Hörern präsentieren.

 

 

„Als wir Clemens Augusts Gebeine gefunden hatten, stand schnell für uns fest, das wir ihm und den anderen Wittelsbachern Erzbischöfen des Domes eine würdige Grabstätte geben wollen“, erzählt die Dombaumeisterin.

Zu Lebzeiten zog der Kölner Erzbischof ohnehin würdevolle und repräsentative Bauten dem dunklen Keller des Domes vor. Davon konnten sich die Tourteilnehmer vor der Dombesichtigung im Brühler Schloss Augustusburg, dass im Auftrag von Clemens August gebaut wurde, überzeugen: „Bescheidenheit sieht anders aus“, bringt es Nadja El Kassar aus Castrop-Rauxel auf den Punkt.

Nach dem Besuch am Grab des Erzbischofs nimmt der Bus Kurs auf das Ruhrgebiet. Vorbei ist es mit dem Prunk des Barocks.

 

 

Am Horizont tauchen die ersten Fördertürme auf und drücken den maroden Charme der Industriekultur aus.

„Das Ruhrgebiet hat einen erstaunlichen Strukturwandel hinter sich. Der Bergbau spielt heute keine Rolle mehr und die Industrieanlagen sind lebendige Kulturzentren“, stimmt Reiseleiterin Annemarie Keller vom Museum Folkwang die Gruppe auf die Essener Zeche Zollverein ein. Kaum dort angekommen, sitze ich in der Seilbahn und fahre auf das Dach der ehemaligen Mischanlage der Zeche.

 

 

Die Loren rumpeln über die Gleise und es ist unglaublich laut. Oben habe ich einen atemberaubenden Rundumblick über Essen, Oberhausen, Gelsenkirchen und Castrop-Rauxel. Es stimmt, das Ruhrgebiet ist eigentlich eine einzige Stadt.

Zeche Zollverein begeistert mich – riesige Anlagen zeugen von dem Trubel der einmal herrschte, als Tausende von Menschen täglich hier arbeiteten. Wo früher die Kumpels schwitzten, spielt heute das Martin-Sasse-Trio Swing und Jazz:

 

 

Die fünf Busse, die zur WDR 3 Kulturpartner-Tour von Bonn, Marl, Bielefeld, Münster und Aachen aus starteten, sind zum großen Tagesabschluss auf Zollverein angekommen. Die Tourteilnehmer sind begeistert und tauschen in regen Gesprächen ihre Eindrücke aus. Im Innenhof der Zeche gibt es Spezialitäten des Ruhrgebiets – die Currywurst darf nicht fehlen.

„Es ist interessant zu sehen, wie vielfältig die Kultur in NRW aufgestellt ist“, findet Nadja El Kassar. „Wir haben heute den Klängen Beethovens gelauscht, haben ein prunkvolles Schloss und ein dunkles Grab gesehen – und feiern jetzt in einer Zeche, die früher die Existenz von vielen Menschen gesichert hat.“

Die 26-jährige Philosophiestudentin hat Recht. Auch mich hat dieser Tag begeistert. Kultur hat viele Gesichter und in jedem gibt es Erstaunliches zu entdecken.