Ruhrtriennale – das internationale Fest der Künste

Die Idee, ein Festival der Künste an die Industriekultur im Ruhrgebiet zu koppeln, hatte seinerzeit einen Nerv getroffen: Gerard Mortier als Mitbegründer und erstem Intendanten war es mit seinem hochkarätigen Programm auf Anhieb gelungen, die Ruhrtriennale 2002–2004 als eines der herausragenden europäischen Festivals zu etablieren. Unter der Leitung von Jürgen Flimm (2005–2008), der mit seinem Programm eine Zeitreise vom 19. Jahrhundert bis ins Mittelalter antrat, festigte sich die internationale Reputation des Festivals. Unter der Intendanz von Willy Decker erforscht die Ruhrtriennale 2009–2011 das Spannungsfeld zwischen Kunst und Kreativität und dem Urmoment des Religiösen. 2009 richtete sich ihr Blick auf den jüdischen Kulturkreis, 2010 wird er sich auf die islamische und schließlich 2011 auf die buddhistische Kultur richten.

Schauplätze der Ruhrtriennale sind die einzigartigen Industriedenkmäler des
Ruhrgebiets – unter anderem die Zeche Zollverein in Essen, der Landschaftspark Duisburg-Nord, die Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck oder die Jahrhunderthalle Bochum –, die in spektakuläre Aufführungsorte für Musik, Theater, Literatur und Tanz verwandelt werden. Mit ihrer Struktur charakteristischer Spielstätten etabliert die Triennale einen unvergleichlichen Kulturstandort mitten in Europa. Dabei öffnet sie neue Räume für neue Wege in der Kunst: Theaterregisseure deuten das Kunstlied neu, Choreografen kreieren Musiktheater, Literatur wird zum Bühnenereignis und in ehemaligen Maschinenhallen und Kokereien verschmelzen Oper, Schauspiel, Tanz, bildende Kunst, Klassik, Popmusik und Avantgarde zu neuen Formen.
Dieses Konzept machte die Ruhrtriennale weit über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus bekannt. Die New York Times sprach von einem »weltweit einmaligen Laboratorium für neue künstlerische Entwicklungen«. Von »Freiheitsspielen« schwärmte der renommierte Theaterkritiker Stefan Keim. Die NRZ befand: »Solange die Triennale in den Industrieruinen solche Kunst-Legierungen ins Werk setzt, hat das Festival nicht nur seine Berechtigung – es hat seine Notwendigkeit.« Die WAZ schrieb: »Die Triennale hat bewiesen, dass das Anspruchsvolle sich durchsetzt, wenn man die Menschen umwirbt und ihnen Lust macht auf Ungewöhnliches, Neues.« Und die Süddeutsche Zeitung meinte: »Im Ruhrgebiet entstand (...) eine nie gekannte Festspiel-Euphorie – ein Wir-Gefühl, das an Aufbruchsgeist glauben ließ und der Region letztlich wohl den Zuschlag für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2010 einbrachte.«

 

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(Foto: Olaf Ziegler)