WDR 3-Kulturpartnerfest 2006 - Interview

Von Mittag bis Mitternacht: Das WDR 3 Kulturpartnerfest live

Die Kultur-WM

Nach der Fußball-WM ist vor der Kultur-WM: am Samstag (02.09.06) gibt es beim WDR 3-Kulturpartnerfest von Mittag bis Mitternacht Programm in sechs Städten - kostenlos. "Ein Kulturfest in diesen Dimensionen hat es noch nicht gegeben", so Programmchef Karl Karst.

Mozart, Kroetz und Jugendtanz, Percussion, Jazz und Paganini: Das Programm, das 50 Kultur-Macher auf die Bühnen bringen, hat es in sich. Kein Wunder: Das Fest am Samstag (02.09.06) ist Zwischenbilanz und Dankeschön zugleich. Vor fünf Jahren hat WDR 3- Programmchef Karl Karst die ersten Kulturpartnerschaften initiiert, zum Nutzen des Publikums, der Künstler und des Senders. Dafür gibt es jetzt insgesamt 200 Stunden Programm auf 20 Bühnen in NRW - live und kostenlos. Der beste Beweis für das neue "Wir-Gefühl der NRW-Kultur", findet Programmchef Karl Karst.

WDR.de: WDR 3 überträgt 12 Stunden live aus sechs NRW-Städten, dazu gibt es eine Stunde "west.ART-extra" und zahlreiche Berichte in den Lokalzeiten des Fernsehens und natürlich in WDR.de: ein Aufwand, der an die Fußball-WM erinnert. Bekommen wir jetzt eine Kultur-WM?

Karl Karst: (lacht) Gute Idee! Hörfunk-Direktorin Monika Piel hat zur Pressekonferenz scherzhaft gesagt, die Fussball-WM sei eine gute "Generalprobe" für das Kulturpartnerfest gewesen. Bei der WM hat der WDR "nur" aus drei Städten übertragen, jetzt senden wir aus sechs! Also schon eine kleine Kultur-WM!

WDR.de: WDR 3 überträgt 12 Stunden live aus sechs NRW-Städten, dazu gibt es eine Stunde "west.ART-extra" und zahlreiche Berichte in den Lokalzeiten des Fernsehens und natürlich in WDR.de: ein Aufwand, der an die Fußball-WM erinnert. Bekommen wir jetzt eine Kultur-WM?

Karl Karst: (lacht) Gute Idee! Hörfunk-Direktorin Monika Piel hat zur Pressekonferenz scherzhaft gesagt, die Fussball-WM sei eine gute "Generalprobe" für das Kulturpartnerfest gewesen. Bei der WM hat der WDR "nur" aus drei Städten übertragen, jetzt senden wir aus sechs! Also schon eine kleine Kultur-WM!

Karl Karst: Der WDR ist der größte Kulturträger des Landes. Das Land NRW wiederum ist eines der dichtesten Kulturzentren Europas. WDR 3 schließlich ist das Kulturradio dieses Landes und ebenfalls in seiner Art einzigartig. Die WDR 3-Kulturpartnerschaften setzen ihren Akzent durch Vernetzung der Kultureinrichtungen dieses Landes. Es sind kleine "Ehen", die wir geschlossen haben, um uns gegenseitig und dauerhaft zu unterstützen. Das Modell dient der Förderung der Kultur. Die Wirkung ist nachweisbar - sowohl bei den Kultureinrichtungen als auch bei uns und auch beim Publikum.

WDR.de: Was hat das Publikum davon?

Karl Karst: Unsere Hörer bekommen wesentlich mehr aktuelle Informationen über die Kulturangebote in NRW. Die Veranstaltungsbesucher unserer Kulturpartner wiederum finden Informationen über Programmangebote von WDR 3, auf die sie möglicherweise sonst nicht gestoßen wären. Gleichzeitig sorgen wir für einen Quertransfer und zur Verlinkung der Kultureinrichtungen untereinander, aus der sich neue Projekte für NRW ergeben. Gemeinsame Veranstaltungen wie z.B. das "Kulturpolitische Forum WDR 3" schaffen zusätzliche Plattformen für die kulturpolitische Debatte.

WDR.de: Durch die WDR 3-Kulturpartnerschaften ist das größte aktive Kultur-Netzwerk dieser Art in Deutschland entstanden. Das sind über 90 Partner, von Museen, Konzerthäusern, Theatern über Musikfestivals, Kunstausstellungen hin zu Opernhäusern und Klangkunst-Festivals wie der SoundART. Wie bekommt man so viele Individualisten in ein Boot? Vor allem, wenn sie in Zeiten knapper Mittel eigentlich auch Konkurrenten sind?

Karl Karst: Das ist das wirklich Verblüffende und Erfreuliche: Alle WDR 3-Kulturpartner sind "Partner" im Netzwerk der Kultur des Landes und tragen zu gemeinsamen Projekten bei, die es ohne diese Vernetzung nicht gegeben hätte. Dass sich 50 Kultureinrichtungen gemeinsam an einem Tag in sechs Städten des Landes auf 20 Bühnen präsentieren, ist ein Ergebnis dieser Vernetzung und ein deutliches Zeichen für Kooperationswillen und -fähigkeit. Man stelle sich vor: Auf der Zeche Zollverein in Essen machen mehr als zwanzig WDR 3-Kulturpartner gemeinsam Programm! Das finde ich toll. Das muss aber auch so sein. Vernetzung ist das Gebot der Zeit - nicht nur in der Kultur. Andererseits stehen die Kultureinrichtungen aber auch im Wettbewerb miteinander - und das ist gut so, wenn Qualität und Vielfalt erhalten bleiben sollen. Nichts ist schädlicher als Bequemlichkeit - das gilt für die Kultur genauso wie für die Unterschenkel-Muskulatur.

WDR.de: Gibt es Veranstaltungen, auf die Sie sich besonders freuen?

Karl Karst: Ich würde ja liebend gern mit einem Hubschrauber von einem Ort zum anderen fliegen, aber ich bin nicht der "Kaiser". Überall ist so viel zu erleben. Mitmachaktionen für Kinder, die Maus und ihre Freunde, Museums-Präsentationen und vieles mehr an allen Orten. In Detmold ist ein ganzes Stadtfest entstanden mit Feuerwerk zum Ausklang und mit der Uraufführung einer Kulturfesthymne. In Köln, um nach dem nördlichsten auch den südlichsten Ort zu nehmen, eröffnet um 12 Uhr die Jugend-Percussion-Gruppe "SPLASH" das Programm auf dem Wallrafplatz und im Großen Sendesaal geht es kurz darauf weiter mit einem Promenadenkonzert des WDR Rundfunkorchesters Köln, präsentiert von Dagmar Berghoff. Zusätzlich zu den Bühnenangeboten findet an allen Orten mindestens ein "Kulturpolitisches Forum WDR 3" statt, das wir für eine spätere Ausstrahlung mitschneiden. Auf den Podien sitzen namhafte Vertreter aus Politik und Kultur des Bundes und des Landes, um einige zu nennen: Ilse Brusis, Michael Vesper, Hans-Heinrich Große-Brockhoff - die Reihe der Kulturverantwortlichen des Landes. Kaspar König und Jan Hoet, Fritz Pleitgen und Max Fuchs, Jürgen Flimm und Franz Xaver Ohnesorg - und viele weitere mehr.

Die Fragen stellte Marion Kretz-Mangold.